23-03 Von Sarajevo nach Sofia
3. und 4. Mai 2023, Mittwoch und Donnerstag
Von hier aus nach Sarajevo. Die Straße ist sehr gut ausgebaut, trotzdem kann man hier in den Bergen nur langsam fahren. Steigungen Berg hoch und Berg ab bedeutet eben Serpentinen und damit viele Kurven und Spitzkehren. Im eigenen Interesse begrenzt sich so die Geschwindigkeit. Die paradiesische Landschaft kann man so ohne Stress betrachten.
Begrünte Berge, steile Schluchten, Bäche und Flüsse, weite Blicke und dann wieder steil aufragende Felsen. Bei der Fahrt durch die Dörfer fällt uns auf, dass die Häuser im Vergleich zu vor mehr als 10 Jahren gepflegter geworden sind. Dächer zum größten Teil ordentlich gedeckt, die Fassaden in der Regel sauber verputzt, Straßen asphaltiert, der Schmutz ist, im Vergleich zu vor Jahren, enorm reduziert.
Im vergangenen Herbst waren wir das erste Mal in Sarajevo. Die Geschichte ist mit dem Attentat von Sarajevo als Auslöser des ersten Weltkriegs und dem Bosnienkrieg nach dem Zerfall Jugoslawiens und der längsten Belagerung einer Stadt in den 90-er Jahren traurig und macht fassungslos. Dafür ist das Flair der Stadt wunderschön. Diesmal fahren wir auf den Campingplatz über der Stadt und haben von hier eine fantastische Aussicht auf das Tal von Sarajevo.
Mit dem Taxi runter in die Stadt für 12 KM (konvertible Mark, die ist seinerzeit mit dem Wert der Deutschen-Mark als Währungsmittel eingeführt worden, der Umrechnungskurs zum Euro ist immer noch der der DM - wir kaufen also wertmäßig hier in unserer alten Währung ein).
Bummeln in der Altstadt und Abendbrot essen in unserer Gaststätte von vor einem halben Jahr.
Für nochmal 6€ für uns beide mit dem Taxi zurück.
Zum Attentat von Sarajevo
Im Herbst haben wir uns die Örtlichkeiten an denen das Attentat stattfand angesehen.
Bei der Bundeszentrale für Politische Bildung finde ich folgenden Text:
Das Attentat von Sarajevo und die Julikrise
Der Anlass des Ersten Weltkrieges war ein denkbar dilettantisch vorbereitetes Attentat. Als der österreichische Erzherzog Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 – einem Sonntag – im Verlauf einer Bosnienreise auch Sarajevo einen Besuch abstattete, warteten vier junge Attentäter auf ihn. Nur durch einen unglaublichen Zufall – das Auto des Thronfolgers bog aufgrund eines Verständigungsfehlers falsch ab – gelang es dem 19-jährigen bosnischen Serben Gavrilo Princip zwei Schüsse abzugeben, die Franz Ferdinand und seine Frau Sophie töteten.
In Europa wurde der Anschlag als terroristischer Akt verurteilt, der Österreich-Ungarn das Recht auf Vergeltung gab. In Wien war man davon überzeugt, dass Belgrad für den Mord verantwortlich sei. In der Tat hatte der Chef des serbischen Geheimdienstes, Dragutin Dimitrijevic´-Apis, den Attentätern die Waffen geliefert, und auch der serbische Ministerpräsident Nikola Pašic´ ahnte etwas von den Anschlagsplänen. Für das weitere Vorgehen Wiens war freilich die Haltung des deutschen Bundesgenossen entscheidend. Da ein Angriff auf Serbien die Gefahr eines Krieges mit dessen Schutzmacht Russland heraufbeschwor, musste man sich zunächst der Unterstützung Berlins versichern. Von dort kamen keine Appelle der Mäßigung, im Gegenteil: Sowohl Kaiser Wilhelm II. als auch Kanzler Theobald von Bethmann Hollweg machten am 5. und 6. Juli 1914 klar, dass es an Österreich-Ungarn liege, zu beurteilen, was geschehen müsse, um das Verhältnis zu Serbien zu klären. Wien könne "hierbei – wie auch immer [die] Entscheidung ausfallen möge – mit Sicherheit darauf rechnen, dass Deutschland als Bundesgenosse und Freund der Monarchie hinter ihr stehe".
Dies war der vielzitierte "Blankoscheck", mit dem Berlin den auf einen lokalen Krieg fixierten Bündnispartner, den man bislang im entscheidenden Moment stets zu bremsen verstanden hatte, losließ. Die Reichsleitung betonte gar, dass ein sofortiges Einschreiten Österreich-Ungarns gegen Serbien die radikalste und beste Lösung sei, zumal die internationale Lage für einen solchen Schritt momentan günstiger scheine als in Zukunft. Wenn nun aber wirklich ein Angriff auf Serbien erfolgte, kam alles darauf an, wie sich das Zarenreich verhielt. Die Entscheidung über Krieg oder Frieden lag somit in Wien und in St. Petersburg, während sich Berlin durch den "Blankoscheck" selbst die direkte Mitwirkungsmöglichkeit entzogen hatte und in der Julikrise erst spät und allzu halbherzig von dieser Haltung abwich. In Wien hatte man es jedoch nicht sonderlich eilig. Zahlreiche Soldaten waren im Ernteurlaub, aus dem man sie nicht ohne großen diplomatischen und volkswirtschaftlichen Schaden zurückrufen konnte. So wurde erst am 23. Juli in Belgrad ein Ultimatum übergeben, das ein Ende anti-österreichischer Propaganda und die Beteiligung österreichischer Behörden "an der Unterdrückung der gegen die territoriale Integrität der Monarchie gerichteten subversiven Bewegungen" sowie an der gerichtlichen Untersuchung des Attentates forderte. Diese Klauseln waren unannehmbar, da sie die Souveränität Serbiens unmittelbar tangierten.
Das Wiener Ultimatum an Belgrad schlug in den europäischen Hauptstädten ein wie eine Bombe. Wenngleich hier und da durchgesickert war, dass harte Forderungen aufgestellt werden würden, begannen die Ministerpräsidenten, Außenminister und Diplomaten nun zu begreifen, dass sich Europa auf einen großen Krieg zubewegte. In der Sommerhitze der Hauptstädte verbreitete sich hektische Betriebsamkeit. In rasender Geschwindigkeit eskalierte in der letzten Juliwoche die Lage. Die serbische Regierung verfasste am 25. Juli ein demutsvolles Antwortschreiben, das Kaiser Wilhelm II. zu der Bemerkung veranlasste, dass noch nie ein Staat so zu Kreuze gekrochen sei und damit der Grund für einen Krieg ja wohl entfallen sei. Da das Ultimatum aber nicht wie gefordert bedingungslos angenommen wurde, brach die Donaumonarchie die diplomatischen Beziehungen ab, machte einen Teil ihrer Truppen mobil und erklärte Serbien am 28. Juli 1914 den Krieg.
Zur Belagerung Sarajevos:
Obwohl wir ab 1992 die Belagerung Sarajevos in den Nachrichten im Fernsehen verfolgt hatten, war diese Belagerung irgendwie einfach weg. Bereits im Herbst hat uns das Geschehen von damals nochmal fassungslos gemacht.
Auch von hier oben auf dem Camp wurde der muslimische Teil der Stadt beschossen. Hier auf dem Platz standen Angriffs-Geschütze! Es kommt noch besser. Die junge Frau, der zusammen mit ihrem Vater das Camp gehört, wurde als Kind 1992 nach Berlin zu ihren Großeltern geschickt und kam nach den Kampfhandlungen nach Sarajevo zurück.
Auf meine Frage, wie das Verhältnis zwischen den einzelnen Volksgruppen ist, sagte sie mir: Die normalen Menschen haben miteinander keine wirklichen Probleme. Das Problem sind die mafiösen und korrupten Politiker, die mit der Nationalitätenfrage spielen und damit versuchen Hass zu säen. Und es ist ganz schwierig sich dagegen aufzulehnen. Auf meinen Vorschlag: Bei Wahlen bitte die Auszählung der Stimmen kontrollieren, kam als Antwort: Das kann schiefgehen. Die Angst vor anschließenden Bedrohungen und Konsequenzen für die eigene Familie ist hoch.
https://www.diepresse.com/746055/belagerung-von-sarajevo-1425-tage-des-horrors
Belagerung von Sarajevo: 1425 Tage des Horrors
Heute jährt sich zum 20. Mal der Beginn der längsten Belagerung des 20. Jahrhunderts. Die Stadt Sarajevo wird damals von bosnischen Serben eingekesselt. Rund 10.000 Personen sterben, 10.000 werden noch immer vermisst.
06.04.2012 um 13:25
Am 6. April 1992 begann die Belagerung von Sarajevo und damit die längste Belagerung des 20. Jahrhunderts. Insgesamt 1425 Tage lang kesselten bosnische Serben die Stadt ein. 10.615 Menschen wurden in dieser Zeit getötet, darunter 1601 Kinder, rund 50.000 Menschen wurden verletzt, 10.000 gelten noch heute als vermisst.
5. Mai 2023, Freitag
Von Sarajevo nach Rasna in Serbien. I
Der Balkan hat, von der Natur her, mit seinen Bergen und Tälern, viel mit der Schweiz gemein. Nicht so wohlhabend wie die Schweiz, aber malerisch und ursprünglich.
Unser kluges Smartphone „Klara“ ist wirklich klug! Sie sucht uns die kürzeste Strecke durch Bosnien/Herzegowina. Das bedeutet, sie führt uns über die Berge in wunderschönen Serpentinen mit tollen Ausblicken über eine "großlöchrige" Straße. Der wahrscheinlich schnellere und für uns bequemere Weg wäre wahrscheinlich über die gut ausgebaute breite Straße M5 im Tal gewesen.
Grad Gorazde an der Drina
Gedenkstätte: Waffen aus dem Balkankrieg
Wir sind in der Teilrepublik Srbska, ob das Waffen der Serben oder der Kroaten oder der Bosnien sind, keine Ahnung. Der Irrsinn geht weiter?
Unser Übernachtungsplatz in Rasna in Serbien
6. Mai 2023, Sonnabend
Von Rasna durch Serbien nach Sofia/ Bulgarien
Fahrtag nach Sofia zu unserem Stallplatz bei Iwan.
7. Mai 2023, Sonntag
Nach dem Frühstück mit der Metro in die Stadt und das frühlingshafte Flair Sofias genießen.

























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